• Stine

Eine gemeinsame Sprache sprechen, muss erst gelernt werden

Aktualisiert: 25. Okt 2019

Mensch und Pferd gehören zwei vollständig unterschiedlichen Spezies, mit unterschiedlichem Körperbau und komplett verschiedenen Kommunikationssystemen, an. Als Pferdemensch haben wir in der Regel auch Ansprüche an unser Pferd, wenn wir eines haben. Wir wollen mit ihnen spazieren gehen, ihnen vielleicht kleine Tricks beibringen oder es vielleicht sogar reiten. Mindestens liegt es aber in unserer Verantwortung, unserem Pferd unsere Welt zu erklären, zumindest in dem Maß, dass wir uns gut um das Pferd sorgen können, die Hufe bearbeiten können, es anfassen können und führen können, falls es mal erkranken sollte.Die Basis hierfür ist eine gute Kommunikation, denn irgendwie müssen wir uns unserem Pferd erklären können, um gemeinsam ein Ziel zu erreichen. Jedoch können weder wir pferdisch lernen, noch wird das Pferd unsere Sprache erlernen können. Eine gemeinsame Kommunikation muss also zunächst einmal von beiden Seiten erlernt werden.


Doch wie lernt eigentlich ein Pferd?

Jedes Lebewesen ist darauf aus, seinen eigenen Zustand zu verbessern. Es strebt also nach schönen Momenten und versucht negative Erfahrungen zu vermeiden. Die Konsequenz, die auf ein Verhalten folgt, ist dementsprechend entscheidend dafür, ob ein Verhalten in Zukunft häufiger oder seltener gezeigt wird. Und wir als Mensch, können ganz bewusst dadurch Einfluss auf das Verhalten unserer Pferde haben. Diese Erkenntnisse stammen aus verschiedenster Lerntheorien. Das mag jetzt etwas theoretisch klingen, ist aber tatsächlich sehr praktisch und hilft uns enorm, wenn wir diese Theorien verstehen, die Motivation hinter einem Verhalten zu verstehen, Probleme zu lösen und eine sehr viel feinere Kommunikation zu unserem Pferd aufzubauen. Deswegen möchte ich dich in diesem Artikel dazu einladen, etwas mehr über die natürlichen biologischen Vorgänge beim Lernen zu erfahren.


Operante Konditionierung

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Konsequenz, die auf ein Verhalten folgt, dafür sorgt, dass ein Verhalten in Zukunft eher zunimmt, oder eher abnimmt. Mit Konsequenz ist sowohl etwas Angenehmes gemeint, was man hinzufügt oder wegnimmt, als auch etwas Unangenehmes, was hinzugefügt wird, bzw. wieder weggenommen wird. Wissenschaftlich definiert ist das Ganze dann als positive Verstärkung / negative Strafe und positive Strafe / negative Verstärkung. Negativ uns positiv ist dabei nicht mit gut oder schlecht gleichzusetzen, sondern eine mathematische Betrachtung. Strafe und Verstärkung beschreiben, ob ein Verhalten zunimmt oder abnimmt. Was eine Strafe oder eine Verstärkung ist, entscheidet dabei jedes Pferd ganz individuell.

Wenn in der Praxis das Pferd auf den treibenden Schenkel nicht reagiert und ich diesen dann verstärkt einsetze, wird das Pferd dieses als unangenehm empfinden und daraufhin reagieren, indem es vorwärts geht. (Positive Strafe) Sobald das Pferd wie gewünscht reagiert, hört der Mensch auf zu treiben (negative Verstärkung). Das Pferd lernt in dem Moment durch die Konsequenzen, dass stehen bleiben falsch ist und dass die gewünschte Reaktion auf das Treiben das vorwärts gehen ist. Wenn das Pferd sich beispielsweise zufällig hinlegt und ich ihm daraufhin zur Belohnung Futter gebe und es sich daraufhin nochmal hinlegt, wäre dies eine positive Verstärkung. Fängt das Pferd an zu betteln und ich nehme ihm das Futter wieder weg, wäre dies eine negative Strafe.




Jede Situation ist auch immer mit einer entsprechenden Emotion verbunden, die das Pferd in dem Moment empfindet. Emotionen lassen sich bewusst nicht steuern und somit findet mit jedem Verhalten auch zeitgleich eine operante Konditionierung statt. Also eine unbewusste Verknüpfung von Verhalten mit Situationen, die das Verhalten von Pferden zusätzlich beeinflussen. Wenn das Pferd in einer bestimmten Situation beispielsweise ganz viel gelobt wurde, oder ausgiebig gekrault wurde und vielleicht sogar Futter erhalten hat, entstehen für das Pferd angenehme Emotionen. In Zukunft wird das Pferd versuchen, diese Situation nochmal wieder herzustellen, weil es sich in der Situation wohl gefühlt hat. Genau das Gegenteilige kann z.B. passieren, wenn das Pferd mit einem Tierarzt konfrontiert wird, in der Situation Schmerzen empfindet. Diesem aber auch nicht entweichen kann und Angst entwickelt. In Zukunft kann es passieren, dass das Pferd bereits wegläuft, wenn es nur den Tierarzt sieht.


All dieses Wissen können wir uns also als Menschen zu Nutze machen. In dem wir gezielt angenehme Konsequenzen hinzufügen, wenn das Pferd ein gewünschtes Verhalten zeigt. So können wir es schaffen, eine gemeinsame Kommunikation aufzubauen und dem Pferd erklären, wenn ich dich das frage und du antwortest so, bekommst du etwas ganz tolles. Kommunikation bedeutet also Lernen und es liegt in unserer Verantwortung dieses Lernen so angenehm wie möglich für unseren Partner Pferd zu gestalten, denn nur so können wir eine harmonische Beziehung zueinander aufbauen.

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© Stine Küster - Click mit Herz
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