• Stine

Die Basis

Kein Training kann gut werden, wenn die Basis nicht stimmt. Bei der Basisarbeit soll ein Fundament erarbeitet werden, auf der du und dein Pferd aufbauen könnt. Wenn es aber bereits im Fundament Risse gibt, oder Teile fehlen, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass das Haus, was du anschließend darauf aufbauen möchtest zusammenbricht. Die Grundbasis von Allem ist, dass du und dein Pferd dieselbe Sprache sprecht. In dem Artikel "Eine gemeinsame Sprache sprechen, muss man erst lernen" habe ich bereits etwas zum Thema Kommunikation geschrieben. Zunächst einmal müsst ihr also einander verstehen und lernen, was der andere eigentlich meint. Die meisten Menschen wünschen sich eine feine, harmonische Kommunikation. Meiner persönlichen Meinung nach, ist die Arbeit mit der positiven Verstärkung dafür perfekt, denn genau darum geht es. Es geht um den Weg der Harmonie und des positiven Miteinanders. Um das, was sich stimmig anfühlt für beide Seiten. Wenn du dich dafür entschieden hast, mit deinem Pferd mit der positiven Verstärkung zu arbeiten, musst du dir zunächst einmal eine gemeinsame Kommunikation mit deinem Pferd aufbauen.



Die Konditionierung

Konditionierung bedeutet nichts anderes, als Lernen. Da Pferde in einem Zeitraum von nur 2-3 Sekunden das Angenehme mit dem erwünschten Verhalten verknüpfen und es in der Realität sehr unwahrscheinlich ist, das Leckerli in genau diesem Moment, in dem es etwas richtig macht, zu übergeben, ist es sinnvoll ein Markersignal einzuführen. Das bekannteste Markersignal ist vermutlich der Clicker. Letztlich kannst du aber auch jedes andere Signal nehmen, welches du im Alltag sonst nicht verwendest und welches sich immer gleich anhört. Dieses Markersignal dient uns letztlich dazu, uns ein größeres Zeitfenster zu verschaffen, in dem wir dem Pferd die Belohnung überreichen können. Ziel der Konditionierung ist also, dass das Pferd versteht, dass das Markersignal das gewünschte Verhalten markiert und somit vermittelt: „Genau das war richtig, dafür bekommst du gleich den Keks.“ Wie du dein Pferd konditionierst, kannst du in dem Artikel "Konditionierung" lesen.


Die Höflichkeit.

Der zweite Stein von unserem Fundament ist die Höflichkeit. Wenn dein Pferd im Training die Erfahrung gemacht hat, dass es neuerdings immer wieder Futter bekommt, wird es vermutlich versuchen, sich eine Weg zu suchen, selber an das Futter heranzukommen. Futter ist ein sehr starker Verstärker und es gibt kaum Pferde, die nicht anfangen zu betteln. Pferde versuchen zunächst mit alt bekanntem Verhalten, welches in der Vergangenheit zum Erfolg geführt hat, an das Futter zu kommen. In der Regel ist das Verhalten, welches sie in der Herde bei Artgenossen zeigen, wie z.B. schnappen, drängeln, die Tasche durchsuchen. Wahrscheinlich kannst du dir vorstellen, wie unangenehm das für den Menschen werden kann. Aber letztlich ist es auch frustrierend für das Pferd, denn es bekommt kein Futter. Und somit ist sowohl der Mensch gestresst, als auch das Pferd. In Folge dessen kommt oft der Punkt, an dem viele Menschen wieder aufhören, oder ihr Pferd gar strafen. Deswegen ist es extrem wichtig, klar verständliche Regeln für das Pferd aufzustellen, möglichst ohne zu strafen, denn das würde der Stimmung sehr schaden. Es ist also unsere Verantwortung, dass das Pferd lernt, betteln, beißen, bedrängen o.ä. sind definitiv kein erwünschtes Verhalten und führen erst recht nicht zum Erfolg. Wie du deinem Pferd beibringen kannst, höflich zu sein, kannst du in dem Artikel "Höflichkeit" nachlesen.


Die Entspannung

Der dritte Stein von unserem Fundament ist die Entspannung. Dieser Punkt wird sehr oft vergessen. Vom konventionellen Training sind wir es gewohnt, dass wir dem Pferd sagen müssen, was es tun soll. Und wenn wir nichts sagen, dann macht es auch nichts. Im Training mit positiver Verstärkung ist das nichts so. Es ist durchaus gewünscht, dass das Pferd eigene Ideen einbringt, die die wir fördern können. Dabei können Pferde erstaunlich kreativ werden. Wenn das Pferd aber nicht gelernt hat, dass es manchmal eben auch gefragt ist, nichts zu tun und sich dieses Verhalten für das Pferd auch niemals gelohnt hat, ist es sehr wahrscheinlich, dass das Pferd nicht mehr ruhig stehen kann. Langfristig führt das zu enormen Stress, sowohl beim Pferd als auch beim Menschen. Deshalb musst du deinem Pferd explizit erklären, dass es Situationen gibt, in denen still stehen, oder nichts tun gefragt ist. Dass es Situationen gibt, in denen es auch mal abschalten darf, um sich zu entspannen. Wie du das schaffst und worauf du achten solltest, kannst du in dem Artikel "Entspannung" nachlesen.


Wenn du mit deinem Pferd anfangen möchtest, kann ich dir nur empfehlen mit der Basis anzufangen. Aber auch wenn du bereits clickerst, macht es immer mal wieder Sinn, auch die Basis zwischendurch nochmal aufzufrischen. Insbesondere, wenn es zu unerwünschtem Verhalten kommt. Nur wenn die Basis stimmt, kann dein Pferd in einer entspannten und angenehmen Atmosphäre lernen. Und genau das ist unsere Verantwortung!

© Stine Küster - Click mit Herz